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Die Rolle des wissenschaftlichen Rates, von Antoine Prost

Antoine Prost
© D.R.
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Der 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges 1914-18 kann keine auf das ganze Jahr 2014 ausgedehnte und dann noch auf die vier folgenden Jahre verlängerte Waffenstillstandsfeier des 11. November sein. Trauer und Erinnerung sind zwar unentbehrlich, und wir sind sie unseren 1.400.000 Toten dieses Krieges, darunter 71.000 Angehörige der „Kolonialtruppen“, zweifelsohne schuldig. Aber das reicht nicht aus, um Gedenkveranstaltungen mit dem erforderlichen Sinn auszustatten. Es ist zu befürchten, dass das ständige Wiederholen von Gemeinplätzen über den Krieg – gemein weil wesentlich – letztendlich nur Überdruss erzeugt: Was steckt hinter Formeln wie Massenmord, europäischer Bürgerkrieg, Prägung des XX. Jahrhunderts oder vereinendes Element der Nation?

Der wissenschaftliche Rat der Mission 100. Jahrestag beabsichtigt nicht, die Botschaften festzulegen, die von den Gedenkveranstaltungen vermittelt werden sollen, er ist dazu nicht legitimiert, diese Aufgabe kommt den staatlichen Stellen zu. Die Rolle des wissenschaftlichen Rates ist bescheidener.

Sie besteht zuerst in wissenschaftlicher Wachsamkeit, der Rat sollte ein Ausguck sein, der die Klippen signalisiert, die es zu umschiffen gilt. Es ist seine Aufgabe, vor missbräuchlichen Vereinfachungen und Übertreibungen zu warnen – der Berater von David Cameron lässt diesen zum Beispiel behaupten, dass die britische Armee bei der Somme-Schlacht an einem einzigen Tag 200.000 Gefallene zu vermelden gehabt hätte! – vor Fehlern, Auslassungen, zweifelhaften Interpretationen, wie derjenigen, die den Zweiten Weltkrieg als direktes Ergebnis des „Diktats“ von Versailles hinstellt und damit Hitler und seinen Konsorten von jeglicher Verantwortung befreit.

Zudem hat der wissenschaftliche Rat eine positive zweite Aufgabe pädagogischer Art zu erfüllen. Er muss für den Informationsfluss zu den Konferenzen, Ausstellungen, Dokumentar- und Spielfilmen sorgen, Bücher und diverse Gedenkveranstaltungen ankündigen. Er muss auch den wissenschaftlichen Wert der Beiträge zu den Debatten gewährleisten, die auf jeden Fall ausgelöst werden. Seine breitgefächerte Zusammensetzung aus französischen und ausländischen Sachverständigen, Geschichtswissenschaftlern, die jeweils die historische Sicht ihres eigenen Landes mitbringen, und Vertretern aus der Welt von Kultur und Bildung bewahrt den wissenschaftlichen Rat dabei vor dem Hang zu einer gewissen orthodoxen Haltung. Es handelt sich schließlich darum, die Debatten auf einem informierten und überlegten Niveau zu führen, das zum Verständnis dazu beiträgt, wie dieses Ereignis von übergeordneter Bedeutung die Weltordnung verändert hat.

Die Aufgabe ist offensichtlich nicht die leichteste.