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Der Platz des Ersten Weltkrieges in den Lehrplänen

La Grande Guerre 1914-15 - En Alsace - Ecole faite dans une cour de ferme par un maître soldat.
© Musée national de l'éducation
Image locale (image propre et limitée à l'article, invisible en médiathèque)

Einführung

Geschichte ist eine französische Leidenschaft. Ihre Vermittlung im Schulunterricht ebenfalls, wie aus der Debatte, oder gar der Polemik hervorgeht, deren Gegenstand sie oftmals ist. Diese Polemik polarisiert sich meistens am Inhalt der Lehrbücher. Drei Dinge werden häufig verwechselt, die eigentlich zu unterscheiden sind: Lehrpläne, Lehrbücher und Realität im Klassenzimmer.

Zur Einführung sollten einige Punkte präzisiert werden. Nur die Lehrpläne unterliegen der Verantwortung des Ministeriums und sind Gegenstand einer offiziellen Veröffentlichung. Das Verfahren zu ihrer Ausarbeitung hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Die Generalinspektion spielte dabei bis 1989 eine wichtige Rolle; dann wurde ein Nationaler Rat für Lehrpläne eingerichtet, der die „disziplinär-technischen Gruppen“ aus Hochschullehrern, Professoren und Inspektoren überwachen sollte. Dieser Rat verschwand nach und nach zwischen 2002 und 2004. Anschließend entwickelten „Expertengruppen“ die neuesten Lehrpläne für Mittelschulen und Gymnasien, bestehend aus Lehrern der Sekundarstufe, Hochschullehrern und regionalen pädagogischen Inspektoren. Diese Lehrplanentwürfe wurden erst dem Lehrpersonal zur Einsichtnahme, und dann dem Obersten Rat des Schulwesens zur Stellungnahme vorgelegt. Der Entwurf des zukünftigen Gesetzes über die Neugestaltung des Schulsystems sieht erneut die Einrichtung eines „Hohen Rates für Lehrpläne“ vor.

Um den Lehrern bei der Umsetzung der Lehrpläne zu helfen, schlug das Ministerium Zusätze vor, die zuerst als „Offizielle Anweisungen“, später als „Begleitdokumente“ und schließlich als „Ressourcen für den Unterricht“ bezeichnet wurden. Diese Entwicklung der Bezeichnungen dieser Zusätze zeugt von den immer stärker werdenden Bestrebungen zur Wahrung der pädagogischen Freiheiten der Lehrkräfte. 

Die Lehrbücher selbst unterliegen der alleinigen Verantwortung von privaten Verlegern, die zueinander in Konkurrenz stehen. Für die Erarbeitung des Lehrmaterials stellen sie Teams zusammen, die im Wesentlichen aus Lehrern bestehen. Die Lehrbücher werden ohne jegliche Prüfung durch das Ministerium herausgegeben, weder vorgängig noch nachgängig, im Namen der verlegerischen Freiheit, die sich um 1880 durchzusetzen begann. Sie werden anschließend von „Fachkonferenzen“ der einzelnen Schulen frei ausgewählt, die aus den Lehrern des betreffenden Faches bestehen. Selbstverständlich müssen die Lehrbücher Lehrplankonform sein, um in die engere Wahl zu kommen, aber sie sind nicht der Lehrplan, und sie entsprechen dessen Inhalten mehr oder weniger. Es liegt an den Lehrern der Bildungseinrichtung, darüber zu urteilen, wenn sie ihre Entscheidung im Kollektiv treffen.

Lehrbücher sind nur eines der Instrumente, die Schülern und Lehrern zur Verfügung stehen. Diese Letzteren können andere Ressourcen verwenden, im digitalen Zeitalter immer zahlreicher werden; zudem kommen sie in den Nutzen einer pädagogischen Freiheit, die ihnen einen weitgehenden Spielraum lässt. Daher muss daran erinnert werden, dass die Realität im den Klassenzimmer nicht nur an dem einzigen Maßstab der Lehrbücher beurteilt werden kann.

Der Inhalt der Lehrbücher löst jedoch regelmäßig Polemik aus. Ein Beispiel dafür ist unter anderem die Diskussion um den Unterricht über den Ersten Weltkrieg, die zu Beginn des Schuljahres 2012-2013 geführt wurde. Sie begann mit einem Artikel in Le Figaro vom 27. August 2012 mit dem Titel „Die Lehrbücher der Geschichte vergessen die Helden von 14-18“. Der Artikel war mit einem Foto des Marschalls Pétain zu Pferd bei der Siegesparade am 14. Juli 1919 illustriert. Es wurde bedauert, dass die Rolle des Marschalls im Ersten Weltkrieg in Vergessenheit geriete, und dass die Marschälle Foch und Joffre in den neuen Lehrbüchern der achten Klasse praktisch in der Versenkung verschwänden, und es wurde eine Verbindungslinie zu den neuen Lehrplänen gezogen, die zu Beginn dieses Schuljahres in Kraft getreten sind. Wollte man dieser Argumentierung folgen, wären die neuen Lehrpläne die Schuldigen, die die Namen der Marschälle absichtlich weggelassen hätten. Tatsächlich stellt man jedoch fest, wenn man jedoch die sukzessiven Lehrpläne seit Ende des Ersten Weltkrieges betrachtet, dass diese Namen in keinem der Lehrpläne Erwähnung fanden. Das zeigte wie weit man sich über Lehrpläne auslassen kann, ohne deren Inhalte zu kennen.

Wir wollen hier auf den Stellenwert des Ersten Weltkrieges in den Lehrplänen eingehen. Um diese Aufgabe mit der notwendigen Präzision anzugehen, muss man auf den Wortlaut der Lehrpläne zurückgreifen und die maßgebliche Entwicklung dieses Stellenwertes aufzeigen. Diese Ausführungen sind insbesondere der Untersuchung der Bedeutung des Krieges in den Lehrplänen der Sekundarstufe gewidmet, aber vorab sollte auch ein Wort zu den Lehrplänen der Primarstufe gesagt werden.

I. Der Stellenwert des Ersten Weltkrieges in der Primarstufe

Der Unterricht über den Ersten Weltkrieg wurde formell in die ersten Lehrpläne der Primarstufe aufgenommen, die nach dem Krieg herausgegeben wurden; 1923 wurde in den Unterricht über die „wesentlichen Fakten und Daten der Geschichte Frankreichs von 1610 bis in unsere Zeit“ die Geschichte des „Krieges 1914-1918“ aufgenommen, ohne weitere Präzisierung.

Der Minister für Erziehungswesen, Albert Sarraut, hatte bereits seit Kriegsbeginn die Lehrer dazu aufgefordert, über den Krieg zu sprechen und „den Kindern die aktuellen Ereignisse bekannt zu geben und in ihren Herzen das patriotische Feuer zu entfachen“.

1915 gab der Minister ein Rundschreiben an die Lehrer der Primarstufe heraus, in dem zu lesen war : „Wenn es einen Erzieher gäbe, den zu verstehen ich mich weigere, dann wäre das der französische Lehrer, für den der Krieg nicht existiert, der weiterhin die gleichen Lektionen und Hausaufgaben erteilt und seinen Schülern in diesen entscheidenden Stunden nur mit unveränderten Worten zu seinen Schülern spricht“.

Der Krieg von 1914-1918 wurde seit 1923 regelmäßig in die Lehrpläne der Primarstufe aufgenommen, ohne weitere Präzisierung. Man sollte sich jedoch daran erinnern, dass es in den 1970er Jahren keine expliziten Lehrpläne gab, wobei der Geschichtsunterricht in die „Aktivitäten der frühen Entwicklung“ integriert wurde. Echte Lehrpläne mit dem Studium des Ersten Weltkrieges tauchten erst in den 1980er Jahren auf. Seither war der Unterricht über diesen Krieg bis zu den heutigen, 2008 herausgegebenen Lehrplänen präsent, in denen in der Primarstufe (Elementar- und Mittelstufe) das Studium der „beiden Weltkriege“ vorgesehen ist, wobei bestimmte Daten obligatorisch zu lernen sind (1916: Schlacht von Verdun; Clemenceau; 11. November 1918: Waffenstillstand des Ersten Weltkrieges).

II. Der Stellenwert des Ersten Weltkrieges in der Sekundarstufe vor dessen Aufnahme in den ersten nach dem Krieg herausgegebenen Lehrplan im Jahr 1925

Der Unterricht über den Ersten Weltkrieg in den Abiturklassen wird 1925 in den ersten nach dem Krieg herausgegebenen Lehrplan aufgenommen. Allerdings wurden die Lehrer schon vor dieser Ausgabe dazu aufgefordert, zu ihren Schülern darüber zu sprechen, wie dies ein Rundschreiben vom Minister für Erziehungswesen André Honnorat an die Rektoren mit Datum vom 28. Februar 1920 zeigt :

„Ich wurde von der Generalinspektion auf die Einschnitte in den Lehrplänen des Geschichtsunterrichtes in den Einrichtungen der Sekundarstufe aufmerksam gemacht.
Es steht fest, dass diese Lehrpläne in naher Zukunft die Ereignissen aufnehmen müssen, die dem Krieg von 1914-1918 vorausgingen, den wesentlichen Fakten dieses Krieges selbst sowie seinen unmittelbaren Ergebnissen; und diese Notwendigkeit ist einer der Gründe, die eine Neugestaltung der Lehrpläne unumgänglich machen. Aber bevor die Details dieser Neugestaltung ausgearbeitet werden können, scheint es, dass ab diesem Jahr unmöglich die Geschichte der europäischen Politik am Tag nach dem Frankfurter Frieden abgeschlossen werden kann […]
Es scheint daher erforderlich zu sein, den Geschichtslehrern zu erlauben, sich nicht allzu streng an die chronologischen Grenzen der Programme von 1902 zu halten. Sie können hinsichtlich der Orientfrage und der letzten Phase, die der Lehrplan ihr widmet – die Staaten auf dem Balkan seit 1878, Österreich als Balkanmacht – ihre Ausführungen, selbstverständlich zusammengefasst, auf den Frieden von Bukarest 1913 lenken, damit die Schüler die gegenseitigen Positionen der Balkanstaaten vor dem Ersten Weltkrieg verstehen lernen […]
Dabei dürfen die Lehrer jedoch selbstverständlich nicht versuchen, die diplomatische Geschichte dieser Epoche im Detail zu erklären, die sehr komplex und im Übrigen unzureichend bekannt ist, und auch nicht den Krieg von 1914-1918 erklären, dessen Geschichte noch nicht geschrieben ist. Und was man jetzt schon über die Klauseln des Versailler Vertrages sagen kann, passt besser in die Geographiestunden über die großen Weltmächte.
Wenn es nunmehr unmöglich ist, in Philosophie einen Lauf der Geschichte zu beschreiben, in dem die Ereignisse von 1914 bis 1919 in keiner Weise vorkommen, ist es vielleicht noch unmöglicher, in Geographie die großen Weltmächte zu beschreiben, indem man vom territorialen Status und der Wirtschaftslage vor dem Krieg ausgeht. Auch hier muss man die tiefgreifenden Veränderungen in Betracht ziehen, die der Krieg verursacht hat. Es ist jedoch unumgänglich, dass man maßvoll und vorsichtig zu Werke geht, denn diese Wandlungen sind noch weit von ihrem Abschluss entfernt. Bezüglich der territorialen Umgestaltungen wird es ausreichen, die Gebiete aufzuzählen, die Deutschland durch den Frieden verliert […] Bezüglich der Wirtschaftslage der verschiedenen Mächte […] reicht es aus, die alten Statistiken wegzulassen […] und unter den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges nur diejenigen zu erwähnen, die jetzt schon als sicher und dauerhaft erscheinen.

Man kann in diesem Rundschreiben die Aufforderung zu einem Rückgriff auf den Geographieunterricht feststellen, die darauf baut, dass in Frankreich Geschichte und Geographie als ein einziges Fach gelehrt werden. Die Aufforderung zu einem „maßvollen und vorsichtigen Vorgehen“ da die „Wandlungen noch weit von ihrem Abschluss entfernt sind“, ist auch interessant. Darin liegt die ganze Schwierigkeit des Unterrichts über die unmittelbare Geschichte, die allerdings nicht ganz neu ist: Die Lehrpläne von Victor Duruy sahen bereits den Unterricht über den Krieg in Mexiko vor, und die Programme von 1902 gingen bis zum Ende des XIX. Jahrhunderts.

Das Studium des Ersten Weltkrieges wurde in allen Lehrplänen vorgesehen, von 1925 bis zu den heute gültigen, jedoch mit Entwicklungen bei den betroffenen Klassen und den Texten. Welche Entwicklungen sind dies ?

III. Die Wortlaute der aufeinanderfolgenden Texte des Teils betreffend den Ersten Weltkrieg in den Lehrplänen der Sekundarstufe von 1925 bis heute

Lehrplan von 1925 : Abiturklasse

Der Krieg von 1914-1918. Die kriegführenden Parteien, die hauptsächlichen Schauplätze der Kämpfe und die wesentlichen Phasen ; die Wandlungen in Bewaffnung und Taktik, die Russische Revolution von 1917 ; das Eingreifen der Vereinigten Staaten; die Abkommen und territorialen Neugestaltungen ; der Völkerbund.

Lehrplan von 1931 : Abiturklasse

Der Krieg von 1914-1918. Die hauptsächlichen Schauplätze der Kämpfe. Die wesentlichen Phasen. Die Russische Revolution. Das Eingreifen der Vereinigten Staaten. Die Abkommen und territorialen Neugestaltungen. Der Völkerbund.

Lehrplan von 1938 : Abiturklasse

Der Krieg von 1914-1918. Die hauptsächlichen Schauplätze der Kämpfe, die wesentlichen Phasen; die Russische Revolution ; das Eingreifen der Vereinigten Staaten ; die Abkommen und territorialen Neugestaltungen ; der Völkerbund.

Lehrplan von 1941 : Abiturklasse

Der Krieg von 1914-1918. Seine direkten Ursachen. Der Bewegungskrieg 1914. Die Marne. Der Grabenkrieg und die neuen Kampfbedingungen. Das Eingreifen Italiens. Die Blockade der Mittelmächte. Die Russische Revolution von 1917. Das Eingreifen der Vereinigten Staaten. Der Krieg 1918 : die Ostfront ; die italienische Front, die französische Front. Der Waffenstillstand vom 11. November 1918. Die Friedensverträge : Versailler Verträge und Zusatzverträge ; das neue Europa; die nationalen Minderheiten ; der Völkerbund.

Lehrplan von 1943 : zehnte Klasse

Dieser Lehrplan, der nicht zur Anwendung kam, sah den Unterricht über den Krieg von 14-18 am Ende der zehnten Klasse vor, wobei das Programm der Abiturklasse „der sich entwickelnden Welt“ gewidmet war.

Lehrplan von 1945 : Abiturklasse

Der Krieg von 1914-1918. Seine direkten Ursachen. Die wesentlichen Phasen. Die Friedensverträge. Der Völkerbund.

Lehrplan von 1957 : zehnte Klasse (Programm der Abiturklasse den Zivilisationen gewidmet)

Der Krieg von 1914-1918 und die Friedensverträge. Der Völkerbund.

Lehrplan von 1959 : Abiturklasse (Programm in 2 Teilen: 1. Teil dem Zeitraum 1914-1945 und der 2. Teil den Zivilisationen gewidmet)

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) und die Friedensverträge. Der Völkerbund.

Lehrplan von 1969 für die Sekundarstufe 1 : achte Klasse

Der Krieg von 1914-1918 : Ursachen, Verlauf, Auswirkungen

Lehrplan von 1978 für die Sekundarstufe: achte Klasse

Der Erste Weltkrieg : Ursachen, wesentliche Phasen, Bilanz.

Lehrplan von 1982 für das Gymnasium: zehnte Klasse

Der Erste Weltkrieg ; die Friedensverträge.

Lehrplan von 1985 für die Sekundarstufe : achte Klasse

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen.

Lehrplan von 1988 für das Gymnasium : zehnte Klasse

Der Krieg von 1914-1918. Ursachen des Konflikts und Kräfteverhältnisse. Die wesentlichen Phasen des Krieges. Die Russische Revolution und das Eingreifen der Vereinigten Staaten. Die menschlichen, technischen und wirtschaftlichen Aspekte des Konflikts. Die Friedensverträge. Die neue Karte von Europa und die neue Weltkarte.

Lehrplan von 1995 für das Gymnasium : zehnte Klasse

Der Erste Weltkrieg, die Russische Revolution und die Umwälzungen in Europa. Die einzelnen Phasen des Konflikts werden kurz vorgestellt. Der weltweite Charakter des Krieges und seiner Auswirkungen wird betont. Die revolutionäre Welle, die der Krieg in Russland und den anderen europäischen Staaten ausgelöst hat, wird untersucht.

Lehrplan von 1998 für die Sekundarstufe : achte Klasse

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen (4 bis 5 h). Nach der chronologischen Einordnung der wesentlichen militärischen Phasen werden die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen dieses totalen Krieges hervorgehoben (Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur), die Leiden der Soldaten und die Schwierigkeiten der Bevölkerungen. Zur Bilanz des Krieges gehören die Revolution von 1917 in Russland, die revolutionäre Welle, die darauf folgt, und ihre Niederschlagung.

Unterlagen : Auszüge aus dem Versailler Vertrag. Roman oder Augenzeugenberichte über den Krieg von 1914-1918

Jahreszahlen : August 1914, Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 1917: Revolution in Russland. 11. November 1918: Waffenstillstand

Lehrplan von 2002 für das Gymnasium :

Zehnte Klasse Wirtschaft/Sozialkunde und Sprachen
Der Erste Weltkrieg und die Umwälzungen in Europa. Kurze Vorstellung der wesentlichen Phasen des Konflikts, Hervorhebung des Begriffs des totalen Krieges und seiner Auswirkungen. Der Unterricht geht auf das wichtige Ereignis der Revolution in Russland ein.

Zehnte Klasse wissenschaftlicher Zweig
Die Franzosen im Ersten Weltkrieg. Nach der Beschreibung des Kriegseintritts wird untersucht, wie die Franzosen mit dem Konflikt umgehen, wobei hervorgehoben wird, dass fast die gesamte Gesellschaft um Familienmitglieder trauert. Zum Abschluss wird auf bestimmte gesellschaftliche Auswirkungen eingegangen (Beschwichtigung religiöser Konflikte, Organisation der Erinnerung, Entwicklung der Rollen von Frau und Mann …).

Lehrplan von 2008 für die Sekundarstufe: achte Klasse

Thema 1 – Der Erste Weltkrieg: Entwicklung zum totalen Krieg (1914-1918)

KENNTNISSE
Der Erste Weltkrieg Staaten und Gesellschaften im Umbruch:

  • er ist durch Massengewalt gekennzeichnet ;
  • mit der Revolution in Russland löst er eine revolutionäre Welle in Europa aus ;
  • er endet mit Verträgen, die eine neue Karte von Europa zeichnen, Quelle von neuen Spannungen.

VORGEHEN
Nach der zusammengefassten Vorstellung der drei wesentlichen Phasen des Krieges werden zwei Beispiele von Massengewalt untersucht:

  • der Grabenkrieg (Verdun) ;
  • der Völkermord an den Armeniern.

Die Studie stützt sich auf die Vorstellung von bedeutsamen Persönlichkeiten und Ereignissen. Die Studie der neuen Karte von Europa stellt einige besonders wichtige Spannungsgründe heraus.

KENNTNISSE
Kenntnis und Anwendung folgender Jahreszahlen

  • Erster Weltkrieg: 1914 -1918, Schlacht von Verdun : 1916; Waffenstillstand : 11. November 1918 ;
  • Revolution in Russland : 1917 ;
  • die Karte von Europa nach dem Abschluss der Verträge.

Beschreibung und Erklärung des Grabenkrieges und des Völkermords an den Armeniern als Beispiele für Massengewalt
 

Lehrplan von 2010 für das Gymnasium: zehnte Klasse Wirtschaft/Sozialkunde und Sprachen, Wissenschaft

Thème 2 - La guerre au XXe siècle

Themen Anwendung
Weltkriege und Hoffnungen auf Frieden
  • Erster Weltkrieg : Erfahrungen der kämpfenden Truppe in einem totalen Krieg
  • Zweiter Weltkrieg : Vernichtungskrieg und Völkermord an Juden und Sinti und Roma
  • Hoffnungen auf eine neue Weltordnung nach Kriegsende : Völkerbund und UNO

Anm. : Aufgrund der Wiedereinführung des obligatorischen Geschichts- /Geographieunterrichtes im wissenschaftlichen Zweig der zehnten  Klasse musste ein spezifisches Lehrprogramm für diesen Zweig mit entsprechend geänderten Stundenplänen erstellt werden. Es wurde im Amtsblatt vom 21. Februar 2013 veröffentlicht. Bezüglich des Unterrichts über den Ersten Weltkrieg übernimmt es exakt die Formulierungen des für die drei Serien erstellten Programms.

IV. Die Untersuchung dieser sukzessiven Wortlaute zeigt die wesentlichen Entwicklungen in den Unterrichtsansätzen auf

  • Bis 1969 war der Erste Weltkrieg nur in der Sekundarstufe Unterrichtsthema. Er war für die Abiturklasse vorgesehen, mit Ausnahme der Lehrpläne von 1943, wo er in die zehnte Klasse vorgerückt worden war, denn in der Abiturklasse wurde über die « sich entwickelnde Welt » unterrichtet (aufgrund der Befreiung Frankreichs durch die Alliierten kam er jedoch nicht zur Anwendung) und von 1957 (ebenfalls nicht umgesetzt), der für die Abiturklasse Unterricht über die Zivilisationen vorsah.
  • Das Thema wird 1969 im Rahmen der Entwicklung hin zu einer einheitlichen Sekundarstufe in der Sekundarstufe 1 eingeführt. Da die achte Klasse das Ende der obligatorischen Schule darstellt, müssen die Schüler, die nach dem Abschluss dieser Klasse das Schulsystem verlassen, die Geschichte bis in unsere Tage kennen. Seither wurde der Unterricht über den Ersten Weltkrieg regelmäßig für die achte Klasse vorgesehen und im Gymnasium wieder aufgenommen.
  • Ab 1982 wurde das Thema im Gymnasium von der Abiturklasse auf die zehnte Klasse vorgezogen. Bis zu diesem Jahr endete das Programm im Jahr 1945, wird jetzt jedoch bis in unsere Tage fortgesetzt. Da es sich zum Ende hin verlängert, wird der Erste Weltkrieg in die zehnte Klasse vorgezogen.
  • Bis in die 1980er Jahre legte der Wortlaut der Programme die Betonung auf die militärischen Ereignisse („wichtige Schauplätze, wesentliche Phasen …“), auf die Auswirkungen auf die internationale Ordnung („territoriale Umgestaltungen, Friedensverträge, Völkerbund“), auf die „unmittelbaren Ursachen“ (vgl. 1941, 1945). Die Programme hielten sich an die militärischen und diplomatischen Ereignisse und die Verkettung dieser Ereignisse Ursache/Ablauf/Auswirkungen (wurde 1969 und 1978, 1982 und 1985 mehrfach deutlich).
  • Ein neues Element taucht im Lehrplan der zehnten  Klasse von 1988 auf : Die „menschlichen Aspekte“ des Krieges wurden eingeführt, unter Beibehaltung der vorherigen Themen.
  • Aber erst mit dem Lehrplan für die zehnte Klasse von 1995 wurde der innovative Charakter dieses Ansatzes deutlich: Die Phasen des Konflikts sollen „kurz“ vorgestellt werden, um dann den „globalen“ Aspekt zu betonen. Ein thematischer Ansatz, orientiert auf den Begriff des „totalen Krieges“ verdrängt den ereignisbetonten Ansatz, der lange Zeit vorgeherrscht hatte.
  • Der Lehrplan der achten Klasse von 1998 greift diese Thematik auf. Zwar werden die „wesentlichen militärischen Phasen chronologisch“ eingeordnet, Jahreszahlen verpflichten, wir sind schließlich in der Schule, aber „es wird der Charakter des Krieges als totaler Krieg betont“. Die „Leiden der Soldaten“ und die „Schwierigkeiten der Bevölkerungen“ sind erstmals ausdrücklich im Lehrplantext erwähnt.
  • Das Programm der zehnten  Klasse Wirtschaft/Sozialkunde und Sprachen von 2002 bestätigt diese neue Ausrichtung, und das Programm des wissenschaftlichen Zweiges der 10. dreht sich um die Thematik der „Franzosen im Ersten Weltkrieg“, mit besonderem Augenmerk auf der Tatsache, dass die gesamte Gesellschaft „um jemanden trauert“.
  • Das 2008 herausgegebene und seit dem Schuljahresbeginn von 2012 angewendete Programm der zehnten  Klasse bestätigt die Entwicklung, die 1995 begonnen hatte: Die drei wesentlichen Phasen sollten „in einer Kurzfassung“ vorgestellt werden. Wichtig war die Herausstellung der „Massengewalt“ die den Konflikt kennzeichnet, wobei „zwei Beispiele als Beweise heranzuziehen sind: Der Grabenkrieg und der Völkermord an den Armeniern“.
  • Das Programm der zehnten  Klasse von 2010 übernimmt die allgemeine Thematik des totalen Krieges und der Massengewalt und fokussiert sie auf die „Erfahrungen der kämpfenden Truppe“, die im Vordergrund der historischen Forschungen und Debatten über den Ersten Weltkrieg in Frankreich einnimmt. Dieser Ansatz ermöglicht den Schülern, die am Ende der Sekundarstufe angekommen sind und sich auf eine akademische Laufbahn vorbereiten, über dieses Studium des Ersten Weltkrieges zu verstehen, dass die Geschichtsschreibung nicht endgültig ist, dass sie die Regeln und wissenschaftliche Methoden einhält, dass sie ihre eigenen Werkzeuge benutzt und dass sie der Gegenstand von Diskussionen ist. Das Programm geht in der Erneuerung weiter, indem es zum Nachdenken über die Art und Weise anregt, wie die beiden Weltkriege von einer Epoche des totalen Krieges und der Massengewalt zeugen und auf beiden Ebenen Grenzen überschreiten.

V. Die neuesten Ergänzungen bestätigen diese Entwicklungen

Der Eindruck von dieser mehr und mehr ausgeprägten Entwicklung hin zu einem thematischen Ansatz, in der achten Klasse wie in der zehnten, wird noch verstärkt beim Lesen von Auszügen aus den neuesten Lehrplanzusätzen, die vom Ministerium herausgegeben wurden (Begleitdokumente und „Ressourcen für den Unterricht“) :

Auszug aus den Begleitdokumenten für den Lehrplan der zehnten Klasse von 1998

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen

Es ist auf die chronologische Berichterstattung des Konfliktes  zu verzichten; hingegen sind vorrangig die wesentlichen Eigenschaften des Krieges herauszustreichen : Der Krieg als totaler Krieg und die Brutalisierung der menschlichen Beziehungen, die damit einhergingen. Dieses Vorgehen fördert das Verständnis der tiefen und traumatischen Resonanz des Krieges auf das beginnende Jahrhundert, außer den in seiner Bilanz ausgewiesenen direkten Auswirkungen. Der Begriff der „Brutalisierung“, eher besser ausgedrückt als „Verwilderung“, spiegelt die Rolle des Krieges bei der Begründung von Gewalt wieder. Neueste Forschungen haben die Gewalt dieses Krieges anhand des ersten Genozids des Jahrhunderts, an den Armeniern, und der Eröffnung der ersten Konzentrationslager in Europa herausgestellt; diese letztere Praxis, angewendet von allen kriegführenden Parteien für die Bürger der feindlichen Staaten, betrifft ganze Bevölkerungsgruppen (wie Franzosen, und vor allem Französinnen, die aus der Region von Lille nach Ostpreußen verschleppt wurden). Wenn auch die Ursache der Vernichtung von Juden und Sinti und Roma nicht direkt im Ersten Weltkrieg zu suchen ist, wurden bestimmte Männer, die diesen Konflikt erlebt hatten, dazu fähig, einen von Ausrottungsmentalität geprägten Hass zu entwickeln: Zweimal, 1931 und 1939, benutzt Hitler die Verschleppung der Armenier als Argument, um seine antisemitische Politik zu rechtfertigen. Der Erste Weltkrieg muss demnach als der Konflikt angesehen werden, der die totale (totalitäre?) Gewalt begründet, die das XX. Jahrhundert kennzeichnet.

Auszug aus den Begleitdokumenten für den Lehrplan der zehnten Klasse, Zweig für Wirtschaft/Sozialkunde und Sprachen von 2002

Der Erste Weltkrieg und die Umwälzungen in Europa

Der Unterricht zielt darauf ab, das Ausmaß dieser bedeutenden Ereignisse zu erkennen und ihren Charakter als totalen Krieg zu analysieren, in diesem Maßstab ein neues Phänomen, das darin besteht, alle Kräfte eines Landes zu mobilisieren, um ein anderes zu zerstören. Die wesentlichen Phasen des Konfliktes werden folglich in Interaktion mit den Strategien der Staaten zur Anpassung an die neuen Bedingungen des Krieges vorgestellt. Er zeigt zudem anhand einiger Beispiele die Vielzahl der Auswirkungen eines Konflikts dieser Tragweite. In dieser Darstellung ist der Krieg der Ursprung neuer Formen staatlicher Intervention, einer geopolitischen Umwälzung des Kontinents und der Infragestellung von zahlreichen politischen Systemen und Traditionen. Die kollektive Erinnerung aller Länder von der Zeit zwischen beiden Kriegen ist dauerhaft gezeichnet: Kollektive Trauer, Gedenken, Pazifismus.

Die Brutalisierung der menschlichen Beziehungen fordert die Frage nach den Verbindungen zwischen der Gewalt der Epoche (insbesondere dem Massaker an den Armeniern, dem ersten Völkermord des Jahrhunderts) und der Gewalt des Totalitarismus heraus.

Der Erste Weltkrieg ist der Prägestock für die Revolution in Russland. Das Zarenreich sieht sich zum Beginn der 1910er Jahre mit einer instabilen Übergangsphase konfrontiert (rapide Industrialisierung, wiederholte soziale Unruhen, scheinbare politische Stabilität), welche die Zukunft nicht vorausschauen lässt, in einer Richtung wie der anderen. Der Eintritt Russlands in den Krieg ist Synonym für militärische Katastrophe, menschliche und territoriale Verluste; die Wirtschaft hält mit dem Kriegsbedarf nicht Schritt, die Versorgung von Front und Hinterland ist nicht mehr gesichert, Inflation und Mangel herrschen im Land, der Zar und die Zentralgewalt sind in Verruf geraten: 1917 beginnt Russland, sich ohne Herrscher selbst zu verwalten. Der Krieg funktioniert als Verstärker der latenten Umsturzbestrebungen und als wirksamer Brandbeschleuniger der Geschichte: Das imperiale Regime stürzt weniger als drei Jahre nach der Mobilmachung, und acht Monate nach der Machtübernahme durch die Bolschewiken.

Das Studium des Ersten Weltkrieges eignet sich vorzüglich für Französisch-, Fremdsprachen- und Kunstlehrer zur Arbeit an Literatur und Briewechseln sowie bildlichen Darstellungen der Epoche.

Auszug aus den Begleitdokumenten für den Lehrplan der zehnten Klasse, wissenschaftlicher Zweig, von 2002 

Die Franzosen im Ersten Weltkrieg

Ein wichtiges Ereignis für das Studium der Geschichte Frankreichs zwischen 1900 und 1939 ist der Erste Weltkrieg von 1914-1918. Der Leitfaden durch das Programm sind die Erlebnisse und Vorstellungen der Franzosen, auf dessen Grundlage eine allgemeine Analyse durchgeführt wird.

Die ersten Monate verdienen eine besondere Aufmerksamkeit, denn es kristallisieren sich dauerhafte Merkmale heraus. Öffentlichkeit und Staat sehen sich mit einem Konflikt konfrontiert, dessen jähes Eintreten sie überrascht, trotzdem er seit ungefähr zehn Jahren vorhersehbar ist; wenngleich der abrupte Übergang vom Frieden in den Kriegszustand zuerst Bestürzung oder Resignation auslöst, setzt sich doch sehr schnell ein definitives Gemeinsamkeitsgefühl durch: Patriotismus und Verteidigungswillen. Während der wenigen Monate des Bewegungskrieges werden 300 000 Franzosen getötet, 600 000 als vermisst gemeldet, verwundet oder gefangengenommen: Das Land tritt in eine Ära des Massensterbens ein. Das Scheitern eines raschen Sieges hat eine Reihe von Anklagen und fortschreitenden Anpassungen zur Folge. Unter diesen Letzteren sind das Streben nach einem Gleichgewicht zwischen Exekutive, Legislative und Oberkommando und dem Eintritt in einen totalen Krieg zu erwähnen: Mobilisierung aller menschlicher Ressourcen, Einbringen des gesamten wirtschaftlichen und produktiven Potentials in den Kriegsaufwand, Bestärkung der zivilen und militärischen Führung, Bereitstellung und Banalisierung von Massenvernichtungsmitteln.

Ende 1914 hat sich die Gesellschaft im Krieg eingerichtet: Die Jahre 1915-1917 bilden den Mittelpunkt des Unterrichts. Auf der gesamten Länge der Front ist ein Verteidigungsnetz aus zwei parallelen Positionen aufgebaut. Das Leben der Soldaten in den Gräben nimmt Formen an. Ihr Widerstand gegen die tägliche Unmenschlichkeit und bei den Versuchen des Generalstabs, die Kontinuität der Front zu zerbrechen (Durchbruchsversuch von Joffre 1915, Zermürbungstaktik 1916, dann die Alliierten) gibt Anlass zu schwierigen Fragen: Billigung und Akzeptanz der Gewalt, der ausgeübten wie der erlittenen. Die Antwort besteht in einem Gefühl der nationalen Solidarität, des Einzel- und Kollektivkampfes für das Überleben, der Verinnerlichung des Gedankens, dass der Gegner einem Universum der Barbarei entstammt. 1915 und 1916 bekräftigt das Hinterland den gleichen Konsens, ausgehend von identischen Überzeugungen, begünstigt durch den Erhalt von erträglichen Lebensbedingungen, den Fortbestand der Heiligen Union, die Solidarität mit der Front und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Im Gegensatz dazu tritt 1917 eine Krise ein, die alle Bereiche betrifft. Die Auflösung dieser Krise wird durch eine maßvolle Repression und einer zweiten Reihe von Anklagen und Anpassungen erzielt. Mit dem Verlagen nach einer „Öffnung zu bestimmten Verlängerungen des Ersten Weltkrieges“ unterstreicht das Programm, dass der Schatten, den das Ereignis wirft, dauerhaft ist, und regt die Prüfung an, ob der Konflikt die für strukturelle Veränderungen erforderlichen Bedingungen geschaffen hat. Die Zeit wäre zu kurz, um die drei vorgeschlagenen Beispiele gleichwertig zu untersuchen; eine differenzierte Analyse in Verbindung mit einer oder zwei Belegen ermöglicht, das anvisierte Ziel zu erreichen. Als Beispiel für die „Organisation der Erinnerung“ könnte man die folgenden Merkmale unterstreichen. Ende 1918 haben zwei Drittel, oder gar drei Viertel der französischen Bevölkerungen den Tod ihnen nahestehender Personen zu betrauern. Die zwischen beiden Kriegen errichteten und vor allem am 11. November (Nationalfeiertag ab 1922) als Gedenkstätten genutzten Kriegerdenkmäler sowie die zahlreichen Gedenktafeln erinnern mit ihren Namenslisten an die Toten und sind Ausdruck dieser Trauer. Denkmäler und Gedenkveranstaltungen helfen den Überlebenden bei der Bewältigung ihrer Verzweiflung, indem sie den persönlichen Schmerz mit der kollektiven Ehrung in Einklang bringen. Über ihre Vereinigungen, die von einer Verbindung zwischen Pazifismus und Patriotismus gekennzeichnet sind, spielen auch die Kriegsveteranen (das heißt für 1920 55% der über 20-jährigen) eine wichtige Rolle bei der Organisation der Erinnerung. Das Studium des Ersten Weltkrieges ist dazu geeignet, den Unterricht über lokale Geschichte sowie das Nationalerbe zu unterstützen. Es ist auch für Französisch-, Fremdsprachen- und Kunstlehrer zur Arbeit an Literatur und Briewechseln sowie bildlichen Darstellungen der Epoche geeignet.

Auszug aus den Ressourcen für den Lehrplan der achten Klasse von 2008 (online auf Eduscol)

Der Erste Weltkrieg: Entwicklung zum totalen Krieg (1914-1918)

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) auf dem Weg zum totalen Krieg ist eines von drei Themen, die im Rahmen des zweiten Teils des Programms mit dem Titel “Weltkriege und totalitäre Regime (1914-1945)“ zu behandeln sind. Der Lehrer kann seinen Unterricht auf der Grundlage von 3 bis 4 Stunden vorbereiten.

Problematik

Der Erste Weltkrieg war und ist Gegenstand einer in ihrem Ausmaß einzigartigen Geschichtsforschung, praktisch von seinem Ausbruch bis in unsere heutige Zeit. Nacheinander wurden im historischen und wissenschaftlichen Kontext, die selbst in Bewegung waren, verschiedene Inhalte erforscht, von denen einer den anderen ablöste :

  • die militärischen und diplomatischen Themen, um die Verantwortlichkeiten zu identifizieren und den Sieg der einen Seite sowie die Niederlage der anderen zu erklären ;
  • die wirtschaftliche Dimension des Konflikts – Kriegsziele, Kriegswirtschaft, Reparationsleistungen ;
  • die soziale Dimension des Konflikts, unter Betrachtung einerseits von Soldaten und Zivilisten, losgelöst von der Geschichte der politischen und militärischen Führung; andererseits, aus einem gleichzeitig politischen Blickwinkel, der Krieg in Beziehung mit den revolutionären Bewegungen, gleich ob diese Erfolg haben (Russland), ausbrechen aber scheitern (Deutschland, Ungarn etc.) oder im Embryonalzustand bleiben ;
  • die kulturelle Dimension, mit dem Aufkommen von neuen Begriffen : Erfahrungen der kämpfenden Truppe, Massengewalt, die seit etwa zehn Jahren Gegenstand lebhafter Diskussionen sind. So stehen sich die Schule der „Akzeptanz des Krieges“ und die des „Zwangs“ gegenüber.

Es bleibt die Frage einer allgemeinen Geschichte des Ersten Weltkrieges, die über die nationalen Geschichtsauffassungen, die Periodisierung und den allgemeinen Sinn hinausgeht. Soll man in dem, was zuerst als das Ergebnis des XIX. Jahrhunderts, dann als Ausbruch eines neuen „Dreißigjährigen Krieges“ interpretiert wurde, den allgemeinen Zusammenstoß der Nationen sehen? Von Gesellschaften untereinander und innerhalb der Gesellschaften? Oder auch das „Modell eines tragischen Jahrhunderts“, gekennzeichnet durch die Wiederholung, die Tragweite und die Beharrlichkeit, mit der Individuen Gewalt angetan wird ?

Der Genozid an den Armeniern geht nach und nach, und nicht ohne Schwierigkeiten, aus dem Bereich der Erinnerung in den der Geschichte über, und die Historiker haben noch nicht viele Arbeiten veröffentlicht, denn Archive existieren nicht oder sind nur mit äußersten Schwierigkeiten zugänglich. Der Genozid erfolgte vor dem doppelten Hintergrund des Krieges, und, in weiterem Sinne, der quälenden „Orientfrage“. Obwohl das Osmanische Reich den Westen in den Dardanellen (1915) zurückgeworfen hatte, bringen es seine innenpolitischen Schwierigkeiten dazu, die Armenier zum Sündenbock zu machen. Der gleiche Prozess hatte vor dem Krieg zu den Massakern in Anatolien geführt, während sich die Europäer die osmanischen Besitztümer in Europa einverleibten und Russland seine Stellung im Kaukasus ausbaute, und die vom Berliner Kongress (1878) beschlossene Autonomie der Völker des Kaukasus nur ein leeres Wort blieb. Im Frühjahr 1915 beschloss der türkische Staat die Verschleppung der gesamten armenischen Bevölkerung in die mesopotamische Wüste. Zwischen 800 000 und 1 200 000 Personen kamen in weniger als einem Jahr um – fast die Hälfte der armenischen Bevölkerung. Viele Überlebende wählten das Exil in Westeuropa, wo sie eine neue Diaspora bildeten.

Die Verträge (Versailles, 1919 ; Saint-Germain, Sèvres, Trianon, 1920) änderten die Karte von Europa und dem Nahen Osten tiefgreifend : Verkleinerung des deutschen Staatsgebietes mit symbolträchtigen Rückgaben (Elsass-Lothringen) und einer Wiedergeburt (Polen), dem Auseinanderbrechen von Österreich-Ungarn mit der Bildung einer gewissen Anzahl neuer Staaten, einige davon in einer Föderation zusammengeschlossen (im neugeründeten Jugoslawien), dem Ende der Zerschlagung des Osmanischen Reiches und der Aneignung des arabischen Nahen Ostens durch den Westen (insbesondere die Briten). Aber das Ziehen neuer Grenzen konnte keine Universallösung sein. Das Schicksal der griechischen und türkischen Bevölkerungen zu beiden Seiten des Ägäischen Meeres und die Frage der irredenten Gebiete (Fiume und Triest) Italiens gibt einen gefährlichen Zündstoff für neue Konflikte, desgleichen die Zukunft der deutschen Bevölkerungen der Tschechoslowakei oder der ungarischen Bevölkerung in Rumänien, oder auch die einstmals versprochene, jedoch in Vergessenheit geratene Unabhängigkeit der Völker des Kaukasus, die in erst in den russischen und dann den sowjetischen Einflusskreis gerieten.

Drei Leitfäden können bei der Umsetzung dieses Themas helfen :

  • die Schlacht von Verdun als Beispiel für die totale Form des Krieges ;
  • der Genozid der Armenier als Form extremer Gewalt gegen Zivilisten ;
  • die Umwälzungen der politischen Landkarte in Europa.

Lehrmittel

Die geringe Anzahl von Stunden, die diesem Kapitel gewidmet werden (drei bis vier) zwingt dazu, das Wichtigste auszuwählen. Das Beispiel der Schlacht von Verdun kann zur Behandlung des Grabenkrieges und des Bewegungskrieges vor wie nach der Schlacht herangezogen werden. Anhand des Themas Verdun kann auch die Westfront behandelt werden, sowie die Tragweite des Krieges (an der Schlacht beteiligte menschliche und materielle Mittel, Dauer der Kämpfe, Verluste), um den Begriff des totalen Krieges zu verdeutlichen, ohne den gesamten Krieg zu behandeln; gegenüber dieser Schlacht bietet das Thema des Genozids an den Armeniern die Gelegenheit, über die extreme Gewalt an der Zivilbevölkerung und die vielfachen Schauplätze des Krieges zu sprechen. Die Revolution in Russland kann über die Person Lenins angesprochen werden, und die revolutionäre Bewegung, die Europa am Ende des Krieges erschüttert, über die Aktivitäten von Rosa Luxembourg und Karl Liebknecht.

Fallen, die es bei der Umsetzung zu vermeiden gilt :

  • den Begriff des totalen Krieges mit allen seinen Aspekten zu entwickeln, anstatt ein oder zwei Beispiele auszuwählen;
  • die revolutionären Bewegungen gesondert zu behandeln und sich in der russischen Revolution zu verlieren, anstatt sich auf die Verbindungen zwischen den revolutionären Bewegungen, dem Krieg und  der Niederlage zu konzentrieren;
  • die politischen Positionen und Programme der revolutionären Bewegungen und ihrer Anführer im Detail anzugehen, mit dem Risiko, die Auswirkungen dieser Bewegungen aus den Augen zu verlieren.

Kunstgeschichte

Angesichts der Bedeutung, die den Individuen, Zivilisten und Militärs, Akteuren und Opfern des Krieges beigemessen wird, ist es logisch, auch auf die populäre Kunst zurückzugreifen: Lieder (Chanson von Craonne natürlich, aber auch viele andere sind möglich), die zu hören und nicht nur textlich zu erfassen sind, Broschüren und Postkarten, Gedichte (Guillaume Apollinaire). Dabei ist es wichtig, einen kritischen Blick auf diese Werke zu werfen, und nicht aus jedem Objekt des täglichen Lebens ein Studienobjekt für die Kunstgeschichte zu machen, selbst wenn es im Schützengraben hergestellt wurde. Es kann auch vorteilhaft sein, Filme (Wege zum Ruhm, Stanley Kubrick) oder Comics (Tardi) heranzuziehen, wenn man aufzeigt, dass diese Werke ebenfalls aus einer politischen Parteiergreifung herrühren und dass der Krieg manchmal im Dienste anderer Zwecke instrumentalisiert wird. Die revolutionären Bewegungen sind untrennbar mit einer graphischen oder gesungenen Produktion verbunden; dieser Leitfaden wird durch das gesamte Programm des Geschichtsunterrichts gezogen; dies kann auch eine erste Gelegenheit für die Schüler bieten, die Internationale und ihre Geschichte zu entdecken.

Weitere Informationen

  • PROST Antoine und WINTER Jay, Penser la Grande Guerre, Paris, 2004-2009
  • AUDOUIN-ROUZEAU Stéphane, La guerre au XXe siècle, 1: L’expérience combattante, La Documentation photographique Nr. 8041, Paris, 2004.
  • DUMENIL Anne, La guerre au XXe siècle, 2: L’expérience des civils, La Documentation photographique Nr. 8043, Paris, 2005.
  • La vie dans les tranchées, Texte und Dokumente für den Unterricht Nr.1024, November 2011
  • www.massviolence.org (Website geführt von Sciences-Po und CERI-CNRS)
  • La couleur des larmes – Les peintres devant La Grande Guerre. Ausstellung in der Gedenkstätte Mémorial de Caen – Gedenken an den 80. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges: http://www.memorial-caen.fr

Auszug aus den Ressourcen für den Lehrplan der zehnten Klasse von 2010 (online auf Eduscol)

Frage – Weltkriege und Hoffnung auf Frieden

Problematik

Das allgemeine Thema wirft zwei Fragstellungen auf, um die Weltordnung im XX. Jahrhundert zu verstehen. Bei der ersten Frage handelt es sich darum, die Art und Weise zu untersuchen, auf welche die beiden Weltkriege vom Beginn der Ära des „totalen Krieges“ zeugen, um sich der Notwendigkeit einer weltweiten Regelung zur Bewahrung des Friedens bewusst zu werden, und um die Herstellung der für diese Regelung erforderlichen Bedingungen.

In seiner heutigen Auffassung wurde das Konzept des „totalen Krieges“ am Ausgang des Ersten Weltkrieges formuliert (Léon Daudet benutzt es ab 1918, aber es wird bekannt durch den deutschen Marschall Ludendorff in einem 1935 veröffentlichten Werk) und zwischen den beiden Kriegen von Carl Schmitt theoretisiert. Es wird jedoch von einigen zeitgenössischen Historikern benutzt, um eine weit ältere Erscheinung zu bezeichnen, die auf die Veränderungen des Krieges seit der Französischen Revolution und dem Empire zurückgeht, wobei die Konflikte des XX. Jahrhunderts den Höhepunkt dieser Entwicklung darstellen. Dieses Konzept bezeichnet die Mobilisierung aller Ressourcen der beteiligten Staaten während eines langen Zeitraums und zu einem vorher nie erreichten Grad sowie die Ausweitung der Konfrontation auf alle Regionen der Erde (zumindest auf sehr weite Gebiete derselben) mit dem Ziel der Auslöschung des Gegners. Das Konzept fußt auf einer „Dynamik der Radikalisierung“ (David Bell), welche die kriegführenden Parteien dazu zwingt, immer mehr Mittel zum Erreichen dieses Zieles einzusetzen.

Für jeden bewaffneten Konflikt wird in der Auseinandersetzung mit dem Krieg dem Platz der Menschen der Vorrang gegeben und man stellt sich die Frage, ausgehend von dem Schicksal, das den Kämpfenden und den Völkern vorbehalten ist, über die Wandlungen in der Art der Kriegführung. Über die militärischen Ereignisse und die politischen Umwälzungen hinaus gilt es, zu zeigen, inwieweit die Erfahrung der „Kriegsgewalt“ in sich die Saat zur Umwandlung der Gesellschaft und das Verhältnis derselben zum Staat trägt. Diese Vorstellung ermöglicht es, zu erfragen, wie Individuen, Gruppen und Nationen von den Situationen extremer Gewalt gekennzeichnet wurden (beginnend mit dem Massensterben), die sich im Verlauf eines Krieges ergeben, gleich ob sie diese hervorgerufen oder erlitten haben.

Lehrmaterial

Der Erste Weltkrieg: Die Erfahrungen der kämpfenden Truppe in einem totalen Krieg

Der Erste Weltkrieg stellt eine wesentliche Etappe in der Entwicklung der Kriege im XX. Jahrhundert. Der Blick wird auf die Erfahrungen der kämpfenden Truppe gelenkt, die Zeugen für die Veränderung der Schwere und der Art der Gewalt sind und in Verbindung mit der Definition des totalen Krieges stehen. Bei dieser von ihrer Dauer, ihrer industriellen Dimension und vom Massensterben geprägten Auseinandersetzung zahlen die an der Front Kämpfenden den höchsten Tribut, auf physischer wie auf psychischer Ebene, auch wenn neuere Arbeiten die Aufmerksamkeit auf die Leiden der Zivilbevölkerung lenken. Sie erschüttern die gesamte Gesellschaft, ein Phänomen, das manche Historiker seit etwa zwanzig Jahren durch Konzepte wie die „Brutalisierung“ (oder „Verwilderung“) der europäischen Gesellschaften und die „Banalisierung“ der Gewalt zu beschreiben versuchen, obgleich diese Konzepte umstritten sind. Das Programm fordert dazu auf, sich auf bestimmte charakteristische Fälle zu stützen (eine Schlacht, eine Persönlichkeit, ein bestimmtes Jahr etc.), ohne sich an den Details der Ereignisse aufzuhalten, um die Entwicklung hin zum totalen Krieg und die Auswirkungen der Kriegsgewalt auf die Gesellschaft zu verdeutlichen, auch wenn man nicht vergessen darf, dass die Erfahrungen der kämpfenden Truppe des Ersten Weltkrieges die Grundlage für die großen pazifistischen Bewegungen zwischen den Kriegen und die.

Der Zweite Weltkrieg: Vernichtungskrieg und Völkermord an Juden und Sinti und Roma

Der Zweite Weltkrieg stellt eine gesteigerte Form des totalen Krieges dar (…)

Hoffnung auf Frieden

Die Untersuchung der beiden Weltkriege muss das Verständnis dafür gewähren, warum und wie jeder von beiden die Hoffnung auf eine neue Weltordnung aufkommen ließ, die durch die Bestrebungen zur Bewahrung des Friedens am Ausgang einer Katastrophe zum Ausdruck kommt, die jedes Mal als letzte gedacht war. Die Nachkriegswelt war dominiert von den einzigen Mächten, die in der Lage waren, einen totalen Krieg zu führen; diese Bestrebungen sind demnach direkt mit der Natur des Konflikts verbunden. Die Vorstellung des Völkerbundes und seines Scheiterns bedarf eines synthetischen Vorgehens, in Verbindung mit dem Austritt der Vereinigten Staaten, dem einzigen Land, das in der Lage gewesen wäre, sein Engagement für den Frieden beizubehalten, im Gegensatz zu den anderen Ländern, denen es an Willen wie an finanziellen Mitteln fehlte. Die Gründung der UNO und die Einrichtung eines Systems, das sich an diesem Vorgänger orientiert, um die Welt vor einem erneuten Umsturz zu bewahren, konnte nur dank des nachweislichen Willens von Präsident Roosevelt gelingen, ein neues System zur Garantie des Friedens schaffen. Das Studium dieser internationalen Organisation zeigt ihre verschiedenen Facetten im diplomatischen, militärischen, wirtschaftlichen, finanziellen und kulturellen Bereich.

Fallen, die es bei der Umsetzung zu vermeiden gilt

  • das Thema auf eine politische oder militärische Geschichte des XX. Jahrhunderts zu reduzieren;
  • das Thema auf eine Geschichte des Krieges zu orientieren, seine Formen und seine im XX. Jahrhundert eingesetzten Techniken;
  • die Problematisierung der Untersuchung der Fragen zu vernachlässigen, zugunsten einer zu sehr beschreibenden oder erzählenden Behandlung des Themas, die die wesentlichen Ereignisse bevorzugt; dieses Vorgehen ist nicht im Sinne des Programms. Hingegen kann die detailliertere Untersuchung eines Ereignisses oder eines Ortes ermöglichen, eine Frage induktiv anzugehen;
  • einen zu konzeptuellen Ansatz anzunehmen, der wirklichkeitsfremd und zu wenig anschaulich für die Schüler wäre;
  • beide Weltkriege jeweils für sich selbst und unterschiedlich zu behandeln, ohne zwischen ihnen eine Verbindung im Rahmen der Problematik des totalen Krieges zu entwickeln;
  • eine detaillierte Präsentation der Geschichte des Völkerbundes und der UNO und der Entwicklung derselben seit 1945 zu geben.

Kunstgeschichte

Angesichts der Bedeutung der behandelten Epoche und der Dichte der zu beantwortenden Fragen ist die Auswahl der Werke, die im Rahmen der Kunstgeschichte für jede dieser Fragen zu studieren wären, relativ offen. Als Beispiele kann man vorschlagen :

  • für die Erfahrungen der kämpfenden Truppe im Ersten Weltkrieg: Gemälde oder Zeichnung (Otto Dix …), Roman (Die hölzernen Kreuze; Im Westen nichts Neues; Le Feu), Film (Die hölzernen Kreuze; Wege zum Ruhm …), Lied (das Lied von Craonne), Comic (Putain de Guerre ! von Tardi);
  • für den Zweiten Weltkrieg als Vernichtungskrieg: Roman (Der Tod ist mein Beruf; Die Vermissten; Der Schmerz …), Film (Der Pianist, Schindlers Liste), Gemälde oder Holzschnitt/Radierung (David Olère, Isaac Celnikier …), Comic (Maus von Art Spiegelman);
  • für den Völkerbund und die UNO: Plakat, das die Hoffnungen in die neue Organisation zum Ausdruck bringt, eine Karikatur, die die Schwächen betont…

Weitere Informationen

  • Audoin-Rouzeau S., Becker A., Ingrao C. et Rousso H. (dir.), La violence de guerre, 1914-1945. Approches comparées des deux conflits mondiaux, Editions Complexe/IHTP-CNRS, 2002
  • Audoin-Rouzeau S., La guerre au XXe siècle, tome 1: L’expérience combattante, La Documentation photographique Nr. 8041, 2004
  • Duménil A., La guerre au XXe siècle, Band 2: L’expérience des civils, La Documentation photographique Nr. 8043, 2005
  • Horne J. (dir.), Vers la guerre totale, Tallandier, 2010
  • Prost A. et Winter J., Penser la Grande Guerre, Seuil, collection « Points », 2004
  • Masson P., Une guerre totale (1939-1945), Tallandier, 1993
  • Friedländer S., L’Allemagne nazie et les Juifs, tome 2: Les années d’extermination, 1939-1945, Le Seuil, 2008
  • Asseo A., De la « science raciale » aux camps. Les Tsiganes dans la Deuxième Guerre mondiale, Centre de Recherches tsiganes, CRDP Midi-Pyrénées, 1997
  • Moreau Defarge P., « De la SDN à l’ONU », in der Zeitschrift Pouvoirs, Nr. 109, April 2004
  • www.crdp-reims.fr/memoire : Histoire et mémoire des deux guerres mondiales
  • www.histoire-image.org/site/lettre_info/hors-serie-premiere-guerre-mondiale.php : hors série Première Guerre mondiale
  • www.ushmm.org : Encyclopédie multimédia de la Shoah
  • http://www.enseigner-histoire-shoah.org : Mémorial de la Shoah – in Verbindung mit den Schulprogrammen, neue Site mit Ressourcen für Lehrer der Primar- und Sekundarstufe

VI. Was ist von den Kritiken am Inhalt der neuen Lehrpläne der Sekundarstufe zum Thema des Ersten Weltkrieges zu halten ?

Die vom Figaro ausgelöste Polemik über die die weiter oben erwähnte Auslassung der Marschälle aus dem Geschichtsunterricht stammt aus der Nostalgie einer „von oben“ gesehenen Militärgeschichte, in der die militärischen Führer in den Vordergrund gestellt wurden, die als die Helden der Geschichte Frankreichs angesehen wurden, und in der Frontsoldaten und Zivilisten vergessen wurden. Sie ist umso weniger haltbar als dass sie auf einer Vermischung von Lehrplänen und Schulbüchern begründet ist und dass, seit den 1920er Jahren, die Lehrpläne selbst niemals die Namen der Marschälle erwähnt hatten. Sie wird im Rahmen einer globaleren Kritik geführt, die im Figaro Magazine seit Beginn des Schuljahres 2010 immer wieder auftaucht und die sich über das Verschwinden der Helden unserer nationalen Geschichte zugunsten des Studiums weit entfernter Zivilisationen beklagt (vgl. die angebliche Beseitigung von Ludwig XIV. und Napoleon aus Schulbüchern und Lehrplänen). 

Eine andere Kritik ist auf den Wegfall der Chronologie gerichtet, wodurch die Bedeutung des Lernens von Jahreszahlen in den Lehrplänen der Sekundarstufe vernachlässigt würde. Sie bringt einen Standpunkt zum Ausdruck, der die reine Chronologie propagiert und bedauert, dass Zeit für die detaillierte Untersuchung der „Kriegsschauplätze“ und der „militärischen Phasen des Konflikts“ aufgewendet wird. Sie verweigert die Entwicklung hin zu einem weniger militärischen, thematischeren Ansatz, der menschlichen Aspekten einen höheren Stellenwert einräumt. Diese Entwicklung, die an die Entwicklung der Geschichtsschreibung anknüpft, datiert nicht von den letzten Lehrplänen sondern hat ihre Wurzeln in den Jahren 1980 und 1990 wie wir weiter oben gesehen haben. Man konnte nicht weiter wie in den 20er Jahren über den Konflikt unterrichten, ohne die Erkenntnisse der modernen Geschichtsschreibung einfließen zu lassen.

Nah an der obigen Kritik wurde auch eine Untersuchung der Verkettung der Ereignisse Ursachen/Verlauf/Auswirkungen vermisst. Hinter dieser Kritik verbirgt sich ebenfalls das Fehlen der chronologischen Kontinuität.

Der Lehrplan der zehnten Klasse wurde aufgrund der Tatsache angegriffen, dass in Thema 2 „Der Krieg im XX. Jahrhundert“ die erste Frage die „Weltkriege“ aufgreift. Ziel dabei war, die Schüler zu einer Überlegung über den Krieg und über das Überschreiten von Schwellen der Gewalt anzuregen, das beide Weltkriege gekennzeichnet hatte. Auch in diesem Fall ist die Chronologie der Angriffswinkel.

Eine andere Kritik greift den Ansatz des Konflikts an, der als zu „anteilnehmend“ erachtet wird. Einzig die Leiden der Soldaten würden beachtet und den Schülern nahegebracht. Darauf kann man antworten, dass sich die neuesten Diskussionen der Historiker in Frankreich über den Ersten Weltkrieg vor allem um die Erfahrungen der kämpfenden Truppen und der Zivilisten drehten. Der beste Weg zum Verständnis der Geschichte für Gymnasiasten in der Abiturklasse ist ihnen zu zeigen, dass die Geschichte nicht endgültig geschrieben sondern im Gegenteil Gegenstand von Diskussionen ist.

Man muss schließlich auch eine Kritik zitieren, die im Wesentlichen von türkischen Diplomaten stammt, die ihre „Beunruhigung“ gegenüber der Erwähnung des „Genozids am armenischen Volk“ in den „Lehrplänen der achten Klasse“ zu Ausdruck bringen, was „eine Meinung aufzwänge“, wo doch die „Darstellung der Ereignisse von 1915 als Genozid von Historikern widersprochen“ würde.

VII. Der Unterricht über den Ersten Weltkrieg ist ebenfalls für die technologischen Zweige der Gymnasien und, in geringerem Masse, für die Berufsausbildung vorgesehen

In den technologischen Zweigen :

  • Technologische Zweige ST2A, STI2D und STL. Lehrplan von 2011, zehnte Klasse: „Leben und Sterben in Kriegszeiten (Wahlfach). Es wird unter den großen europäischen Konflikten zwischen den Jahren 1870 und den Jahren 1940 ausgewählt“.
  • Technologische Zweige STMG, ST2S. . Lehrplan von 2011, zehnte Klasse: „Europa, ein von zwei Weltkriegen gekennzeichneter Raum (obligatorisch). Der Krieg ist von tiefgreifendem Einfluss auf das Europa des XX. Jahrhundert und seine Völker.“

In der Berufsausbildung :

  • Der Lehrplan für das Facharbeiterzeugnis CAP von 2010 sieht im Rahmen des Fachs „Europäische Kriege und Konflikte im XX. Jahrhundert“ eine Auswahl von Situationen vor, von denen eine den Titel „Die Schlacht von Verdun und die Erinnerung daran“ trägt.
  • In den Vorbereitungsklassen für das Berufsabitur ist kein expliziter Unterricht über den Ersten Weltkrieg vorgesehen. Bestimmte Themen können jedoch an den Konflikt anknüpfen: „Die Frauen in der französischen Gesellschaft von der Belle Epoque bis in unsere Zeit; Arbeiter in Frankreich (1830-1975)“. Man kann in der Abiturklasse auch die „14 Punkte von Präsident Wilson“ erwähnen.

Der Erste Weltkrieg ist demnach in den heutigen Lehrplänen stark präsent, von der zehnten Klasse bis zum Abitur, und die Ansätze wurden unter Beachtung der wesentlichen Entwicklungen der Geschichtsforschung sowie der Erwartungen an den Schulunterricht zu Beginn des XXI. Jahrhunderts weiterentwickelt.