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Frankreich > Feste Kaiser Wilhelm II

Feste Kaiser Wilhelm II

Galerie de l’abri 1 vers l’abri 16, Fort de Mutzig
© Fort de Mutzig
Image locale (image propre et limitée à l'article, invisible en médiathèque)

Die besonderen Eigenheiten des Fort de Mutzig - der Feste Kaiser Wilhelm II - unter den zahlreichen Befestigungen des Ersten Weltkrieges

Im Jahr 1914 ist die Feste Kaiser Wilhelm II in Mutzig eine weltweit einzigartige Befestigungsanlage, zunächst wegen ihrer außergewöhnlichen Abmessungen: 254 ha, über fünfzig verschiedene Bauwerke, 22 Geschütztürme für 150 und 105 mm, 7 000 Männer werden von 16 Küchen, 6 Bäckereien und 4 Brunnen versorgt etc.

Die Feste, die ihren Namen dem persönlichen Engagement von Kaiser Wilhelm II. verdankt, ist der Ort einer regelrechten architektonischen Revolution: Die Umsetzung des bei Baubeginn 1893 modernsten Festungskonzeptes. Man kann natürlich die belgische Herkunft der Dreiecksform der beiden ersten Werke erwähnen. Aber ein revolutionäres Festungsbaukonzept ist vollkommen neu: Die aufgelöste Bauweise, eingeführt um 1897 im heute restaurierten Teil. Moderne Befestigungen bestanden jetzt aus zweckbestimmten Festungswerken, über das Gelände verstreut und untereinander durch unterirdische Gänge verbunden. Damit fiel die Falle der Gräben weg, von denen die Forts umgeben waren, und die zu leicht einzusehen waren, wenn die feindliche Artillerie Fesselballons zur Anwendung brachte.

Die Befestigungen von Mutzig enthalten weitere technische Neuheiten: Die Erfindung der Brisanzgranate um 1885 (Melinit) zwingt die Ingenieure zur Suche nach neuen Baumaterialien und zur Entwicklung neuer Bautechniken zum Errichten von Befestigungen. Die Bauwerke von Mutzig werden erstmalig in der Geschichte vollständig aus Beton errichtet. Die Artilleriebestückung gehört auch zu den modernsten ihrer Zeit; in Mutzig werden die ersten stählernen Geschütztürme errichtet. Die Minimalscharten-Geschütztürme erforderten die Installation des ersten Kraftwerkes in einer Festung um die Belüftungsanlagen mit Strom zu versorgen.

Für den 1888 an die Macht gekommenen Kaiser ist die Feste, die seinen Namen trägt, eine Hochburg für Experimente und Entwicklungen: Sie ermöglicht den Kommandanten beispielsweise, eine Entscheidung zwischen Versenktürmen und Minimalschartentürmen zu treffen. Acht Türme jedes Systems werden in den beiden ersten Werken installiert und unter Truppenbeteiligung wird eine Testreihe durchgeführt. Die Testergebnisse lassen die Wahl auf das Minimalschartensystem fallen, das im Vergleich zum Versenksystem einfacher, kostengünstiger und leistungsfähiger in Bezug auf Reichweite und Feuerrate ist.

Die Feste in Mutzig wird exakt am Wendepunkt der technisch-industriellen Revolution errichtet und läutet zusammen mit der Errichtung der Befestigungsanlagen rund um Metz und Thionville eine neue Ära ein. Die französischen Truppen entdecken 1918 bei ihrer Ankunft eine unerwartete technische Welt. Die Ingenieure der französischen Pioniere untersuchen sämtliche eingesetzten Techniken im Detail, und viele Neuheiten werden für den Bau der Maginot-Linie übernommen. Die zwischen 1936 und 1944 errichteten deutschen Befestigungsanlagen Ostwall, Westwall, Atlantikwall sind direkt davon inspiriert.

Ein deutsch-französisches Projekt

Mit der Rückführung des Elsass an Frankreich wird die Feste Kaiser Wilhelm II erst von den Franzosen in Position de Mutzig und später, 1940 bis 1944, wieder in deutscher Hand, in Feste von Witzleben umbenannt, um dann nach der Befreiung Frankreichs endgültig zum heutigen Fort de Mutzig zu werden. Allein diese Abfolge von Namen ist ein kleiner Abriss der modernen deutsch-französischen Geschichte von 1871 bis heute. Eine deutsche Feste in Frankreich, von Franzosen und Deutschen gemeinsam restauriert, mit der Unterstützung der französischen Militärbehörden und der örtlichen Gebietskörperschaften: Ein Symbol von erstrangiger Bedeutung. Die deutsch-französische Zusammensetzung des Vereins des Fort de Mutzig spricht für sich: fast 40% seiner Mitglieder sind Deutsche. Ihre Recherchen finden in französischen wie in deutschen Archiven und Unterlagen statt. Führungen und Ausstellungen sowie die gesamte Beschilderung sind durchweg zweisprachig deutsch-französisch.

Das Denkmal mit der Bezeichnung Namenstein, das momentan restauriert wird, nachdem es von seinem ursprünglichen Aufstellungsort abgebaut und im restaurierten Teil des Forts wieder aufgebaut wurde, wird im Mai 2014 offiziell eingeweiht. Zusammen dem Adler und der Gedenktafel der Feste Kaiser Wilhelm II, die vom Verein restauriert wurden, ist es ein Symbol der deutsch-französischen Beziehungen von besonderer Bedeutung.
Das Projekt ist von deutsch-französischer Partnerschaft geprägt: Gründung des Fördervereins der Feste Kaiser Wilhelm II 1999, Schaffung eines Workshops zur Eingliederung junger Deutscher in Not im Rahmen einer Partnerschaft mit der Rechtspflege Ortenau, etc. Die französischen und deutschen Teams arbeiten vor Ort zusammen, bilden Freundschaften. Diese Dimension ist eine starke Motivation für viele Besucher und Mitarbeiter. Außerdem sehen zahlreiche schulische Einrichtungen einen Besuch des Forts im Rahmen ihrer europäischen Partnerschaften vor.

Ein spezifisches Projekt in Verbindung mit dem 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges

Das Projekt zur Erhaltung des Fort de Mutzig feiert 2014, im Jahr des Centenaire, seinen dritten Geburtstag.

Im Verein hofft man, dass die Festung in das offizielle Kulturerbe aufgenommen wird, damit dieses Zeugnis der Geschichte ersten Ranges noch vielen zukünftigen Generationen erhalten bleibt.

Zudem wünscht man im Verein, dass das Fort de Mutzig als große Befestigungsanlage des Endes des XIX. Jahrhunderts anerkannt wird. Es handelt sich um die einzige vollständig erhaltene deutsche Befestigungsanlage aus dieser Zeit, vollkommen restauriert und von einzigartigem Reichtum. Der 100. Jahrestag des Kriegseintritts sollte zum Erreichen dieses Zieles beitragen: Als einzigartiger Zeuge des Entstehens unserer technischen Epoche ist das Fort ein idealer Ort für Überlegungen zu den tieferen Ursachen dieses Krieges – Nationalismus und Militarismus – und ihrer Konsequenzen.