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Frankreich > Der Tourismus der Erinnerung in den Vogesen

Der Tourismus der Erinnerung in den Vogesen

Abri de la Roche Mère-Henry
© PER tourisme de mémoire 14-18 / JL DELPAL
Image locale (image propre et limitée à l'article, invisible en médiathèque)

In den spektakulären Kulissen des Massivs der Vogesen lieferten sich Deutsche und Franzosen von 1914 bis 1918 einen erbitterten Gebirgskrieg, der sich von dem Krieg an den anderen Abschnitten der Westfront stark unterschied. Die große Nähe der feindlichen Linien, Schützengräben, unterirdische Laufgänge, Unterstände, alles unterlag den Einflüssen von Gebirgsrelief und Klima. Heute kann man die zahlreichen Überreste bei interessanten Wanderungen entlang des gigantischen Verteidigungswalls besichtigen, der sich über rund hundert Kilometer vom Gebirgspass Col de la Chapelotte bis in die Ebene des Sundgau hinzieht.

Der Felsen von Mère-Henry, bedrohlicher Beobachtungsposten

Der Felsen La Roche Mère-Henry, Besuchermagnet vor dem Krieg, bildet einen Aussichtspunkt über das Tal des Rabodeau und überragt die Stadt Senones. Nachdem sich im September 1914 die Front hier festgesetzt hatte, stehen sich Deutsche und Franzosen von Angesicht zu Angesicht auf diesem „Römerziegel“ gegenüber, auf dem in einer Distanz von einigen hundert Metern die heftigsten Kämpfe in diesem Frontabschnitt stattfanden. Die ersten Handstreiche auf die deutschen Verteidigungslinien finden ab Oktober 1914 statt, mit dem Höhepunkt des Sturms auf einen Bunker am 10. Dezember, bei dem das 363. Infanterieregiment aus Nizza zahlreiche Verluste zu beklagen hatte. Diese vereinzelten, ausgesprochen mörderischen Attacken zogen sich bis zum Waffenstillstand hin, auch noch nach der Besetzung des Frontabschnitts durch die Amerikaner im Sommer 1918. Sie sind so erbittert, dass der Gebirgskamm 1915 der „gehäutete Kamm“ getauft wird.

Das Schlachtfeld von La Roche Mère Henry ist ein Musterbeispiel für die Kämpfe an einem Gebirgsmassiv. Die Deutschen staffeln mehrere Verteidigungslinien und Unterstände auf den mehreren hundert Metern, die das Niemandsland von dem Beobachtungsposten auf dem Felsen trennen, um jegliches Vordringen des Feindes zu verhindern. Bei einem Besuch kann man heute die Entwicklung und die Vielfalt der deutschen Befestigungen und die radikalen  Unterschiede zum französischen Verteidigungssystem besichtigen. Die Besichtigung wird dann auf dem ehemaligen Friedhof des 363. Regiments mit der Grabstele des Mentoner Bildhauers Antoine Sartorio beendet.

La Fontenelle

Nichts scheint diese Höhe von dem umgebenden Relief zu unterscheiden. Und doch setzt sich die Front am 12. September 1914 auf dem Hügel von La Fontenelle fest, auf dem vor dem Krieg eine Baumschule bestand. Die Franzosen halten den Gipfel, die Deutschen beißen sich an der Ostflanke fest und wollen die Höhe mit allen Mitteln erobern; beide Seiten zerschneiden die Anhöhe mit ihren tiefen Gräben. Am 23 Juni 1915 starten die Deutschen einen schweren Sturmangriff, bei dem sie den Gipfel einnehmen. Im Juli ermöglichen zwei Gegenangriffe den französischen Truppen die Wiedereroberung des gesamten Hügels. Seither wird ein unterirdischer Minenkrieg geführt, während sich auf der Oberfläche Handstreiche und massive Angriffe abwechseln.

In dem Gebirgskrieg, in dem Beobachtungsposten von äußerster Wichtigkeit sind, haben die Franzosen den Vorteil, dass sie das gesamte Massiv de l’Ormont weiter im Süden, das die gesamte Region Haute-Meurthe kontrolliert. Man findet hier vielfältige Strukturen aus Trockenmauern und in die Felsen gehauenen Kammern, die als Beobachtungspunkte und Geschützstände dienen. Die Reste eines eisernen Beobachtungsturms, des einzigen an der ganzen Front, sind immer noch sichtbar. Vom Pass Col d’Hermanpaire unterhalb des Massivs bis zur Fontenelle stützt sich die erste deutsche Linie auf zahlreiche Betonriegel mit diversen Funktionen. Auf dem Weg der Erinnerung an die Frontlinien kann man ihren guten Erhaltungszustand sehen.

Trotzdem der Soldatenfriedhof von La Fontenelle ab 1919 Schützengräben und Minentrichter aufgefüllt hatte zeugt die Unebenheit des umliegenden Geländes noch von der Härte der Kämpfe. Wie in Verdun wurden drei Weiler von Ban-de-Sapt nicht wieder aufgebaut; ihre Überreste sind vom Wanderweg aus zu entdecken.

Der Donon, Kämpfe um die Bergspitzen in der Schlacht der Grenzen

Der Kleine und der Große Donon, seit 1871 auf deutscher Seite, überragen ein dichtes antikes Wegenetz. Seit August 1914 ist das Massiv Schauplatz unübersichtlicher Scharmützel. Aber diese großartige natürliche Festung bleibt in deutscher Hand. Bis 1918 richten Pioniertruppen und Kriegsgefangene, vor allem Russen, ein komplexes Stellungsnetz ein. Der Donon wird zur Drehscheibe der deutschen Verbindungswege: Seilbahnen zur Versorgung der Höhen, und Eisenbahnen zur Verbindung der Front mit dem Hinterland.

Rund um den Gipfel und an den Hängen des kleinen Donon befinden sich Dutzende Grabsteine von Soldaten, die in den Kämpfen von 1914 gefallen sind. Sie sind vom Zugangsweg aus zu sehen. Zahlreiche Überreste der Infrastrukturen sind heute noch zu sehen. Der Weg der Bunker verbindet den Pass des Donon mit dem Pass de l’Engin und ermöglicht die Entdeckung von gut erhaltenen Gräben und betonierten Unterständen.

La Chapelotte, das tiefliegendste Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges

Der Pass de la Chapelotte ist der letzte Bergriegel vor der lothringischen Ebene. Ab September 1914 wird der Hang 542 zu einem der Punkte mit den heftigsten Zusammenstößen des Gebirgskrieges und illustriert den Höhepunkt des Minenkrieges. An der Oberfläche ist kein Vorankommen mehr möglich, und so werden die Kämpfe unterirdisch fortgesetzt. Die erste deutsche Mine reißt am 8. Juni 1915 den Boden des Hanges 542 auf. Bis zum 2. September 1917, dem Datum des letzten französischen „Camouflet“ – Name für eine Mine, die dazu bestimmt ist, einen feindlichen Tunnel zu zerstören, ohne die Werke an der Oberfläche zu beschädigen – werden hunderte Meter unterirdische Gänge und Schächte gegraben. 55 Minen, davon 38 französische, explodierten an der Front über eine Länge von 200 Metern, und über 300 Tonnen Sprengstoff pflügten die Erde um. Mit ihren die bis zu 120 Meter tiefen unterirdischen Anlagen machten die deutschen und französischen Widersacher La Chapelotte zum tiefsten Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges.

Der Pass und die umgebenden Gipfel tragen noch heute die Narben der Kämpfe. Unter den nahen Tannen sind ein paar Steine die einzigen Zeugen des ehemaligen Forsthauses, und der Brunnen trägt noch die Inschriften der Soldaten des 338. Infanterieregimentes. Der Besuch dieses in Bau befindlichen Freilichtmuseums erfordert Behutsamkeit und Respekt.

Das Schlachtfeld von La Chapelotte und die Beobachtungsposten auf den das Tal der Plaine umgebenden Gipfeln bis zum Donon machen die Bedeutung dieses bemerkenswerten Gebirgskriegsschauplatzes aus. Die Forstbewirtschaftung hat die Beobachtungsposten intakt gelassen, von den von Deutschen wie Franzosen befestigten Felsspornen und -spitzen über die betonierten Befestigungen bis zu den Grabsteinen auf den ehemaligen deutschen Friedhöfen.