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Frieden gewinnen - Das Ende des Ersten Weltkriegs zwischen Geschichte, Erinnerung und gegenwärtigen Herausforderungen

© D.R.
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Tagung, 11.-12. Oktober 2018 in Berlin

Ziel der Konferenz ist es, den prekären Frieden, der auf das Ende des Ersten Weltkriegs folgte, auf seine Bedeutung für die Gegenwart zu befragen sowie das Erinnern im Zuge des Centenary zu beleuchten. Die Leitfragen, welche diese Konferenz strukturieren, entspringen der Gegenwart, ganz im Sinne Marc Blochs, der für die Betrachtung der Vergangenheit im Lichte der Gegenwart eintrat. Es geht darum, aus 1918 zu lernen, was 2018 zu bedenken ist. Welche Entwicklungslinien reichen von der unmittelbaren Nachkriegszeit in unsere Gegenwart? Welche aktuellen Probleme und Krisen reichen bis in diese Zeit zurück? Welche der gegen Ende des Krieges entwickelten Friedenskonzepte sind heute noch aktuell? Welche Widersprüche enthielten sie, welche Grenzen waren ihnen gesetzt? Welche Fehler wurden bei ihrer Umsetzung gemacht? Was hat das zwanzigste Jahrhundert an anderen Wendepunkten seiner Geschichte wie 1945 oder 1989/90 für die Bewältigung von Krieg und Frieden aus diesen Fehlern gelernt und was können wir heute für den Umgang mit aktuellen Krisen und Konflikten daraus lernen?

In dieser Perspektive soll, unter Berücksichtigung der emotionalen Reaktionen, welche die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg vielerorts hervorruft, und der permanenten Versuchung, Geschichte zu instrumentalisieren, auch ein Blick auf die aktuellen Erinnerungskulturen geworfen werden. Alles deutet darauf hin, dass die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und sein Ende im Centenary in sehr unterschiedlichen nationalen Bahnen verläuft. Vielfältigkeit oder sogar Kollisionen scheinen deutlicher hervorzutreten als Übereinstimmungen. In Deutschland werden die Niederlage und Versailles als weitere Meilensteine auf dem Weg in die Katastrophe des Nationalsozialismus gesehen, in anderen Staaten wird erneut vor allem der unter heldenhaften Opfern errungene Sieg in einem legitimen Krieg für Recht und Freiheit erinnert, in wieder anderen Ländern vor allem die Erlangung der nationalen Unabhängigkeit und die Kriege nach dem Krieg, die zu ihr führten. Wie können angesichts dieser divergierenden Erzählungen Berührungspunkte und Schnittflächen zwischen den Erinnerungskulturen geschaffen oder verstärkt werden, die unterschiedliche nationale Erfahrungen nicht einebnen, sondern ein gemeinsames Lernen ermöglichen?

Drei große Themenblöcke sollen die Überlegungen anleiten. Es wird 1) um eine Bestandsaufnahme der Ergebnisse der Friedensverhandlungen gehen, um eine Betrachtung der geregelten wie der offen gelassenen oder neu geschaffenen Probleme. Die dabei mobilisierten neuen Werte und neuen Leitlinien werden ebenfalls thematisiert, selbst wenn ihre Umsetzung enttäuscht haben mag: neue internationale Ordnung und Diplomatie, Grenzziehungen, zwischenstaatliches Recht und Aufschwung der Normen von Selbst- und Mitbestimmung, Demokratie, internationaler Zusammenarbeit und Wirtschaftsaustausch. In diesem Themenfeld geht es um die „longe durée“ oder den langen Schatten der Verträge zwischen Lehren und Fehlern.

Behandelt werden 2) einschlägige regionale und thematische Fragen, welche von besonderer Bedeutung für das Verständnis der Friedens(Un-)Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg sind. Es sollen verschiedene Regionen in den Blick genommen werden (in Europa, aber auch darüber hinaus, so insbesondere die Entwicklung in Afrika und den ehemaligen Kolonien), aber auch bestimmte Prinzipien der Friedenssicherung. Betrachtet werden sollen auch Kriegsfolgen wie Migration, Flucht und Bevölkerungsaustausch, kriegsbedingte Traumata, Brutalisierung und Gewalt oder auch die Bewältigung der Demobilisierung.

Schließlich kommen 3) die vielfältigen Erinnerungskulturen zum Ersten Weltkrieg und seinem Ende in den Blick, während ein abschließendes Podiumsgespräch verschiedene politische Akteure und Experten auf dem Feld der Friedensforschung und Konfliktlösung zusammenbringen wird.

Die Konferenz ist stark gegenwartsbezogen ausgerichtet und interdisziplinär angelegt. Sie will Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, Intellektuelle, Journalisten, Praktiker sowie Akteure der Konfliktlösung aus verschiedenen Ländern Europas und anderen Weltregionen miteinander ins Gespräch bringen. Sie steht interessierten Teilnehmern offen und wird von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit, auch über die sozialen Medien, begleitet werden. Die Konferenz, welche auf eine Entscheidung des Deutsch-Französischen Ministerrats vom 13. Juli 2017 zurückgeht, wird organisiert von der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischen Institut für Geschichts- und Sozialwissenschaften in Frankfurt, dem Deutschen Historischen Museum, dem Centre Marc Bloch, der Humboldt-Universität zu Berlin und Herrn Markus Meckel. Sie steht unter der Schirmherrschaft des Auswärtigen Amts, des Französischen Außenministeriums und der Mission du Centenaire de la Première Guerre mondiale.

> Weitere Informationen : http://win-peace-conference.berlin/