Den Centenaire erleben
Den Centenaire entdecken
Den Centenaire verstehen
Den Centenaire erleben
Den Centenaire entdecken
Den Centenaire verstehen
A propos des Ersten Weltkriegs > Die Archäologie des Ersten Weltkrieges

Die Archäologie des Ersten Weltkrieges

Empreinte dentaire découverte dans le camp du Borrieswald
© Mission du centenaire de la Première Guerre mondiale
Image locale (image propre et limitée à l'article, invisible en médiathèque)

Zu Beginn der 90er Jahre erschließt die präventive Archäologie im Rahmen von Großbauprojekten (Autobahnen, TGV) nach und nach größere ländliche Räume. In den Regionen im Norden und Osten Frankreichs sehen sich die Archäologen auf diese Weise mit der „Wiederentdeckung“ von Überresten des Ersten Weltkrieges in den ehemaligen Frontbereichen konfrontiert.

Diese unerwartete Konfrontation mit den Überresten einer Epoche, die bis dahin nicht zu ihren gewöhnlichen Forschungsbereichen gehörte (und über die sie nur wenig wussten), warf in Gebieten, in denen die Spuren der Kämpfe durch die wiedererstarkende Land- und Forstwirtschaft sowie die rasante Industrialisierung der Nachkriegszeit gründlich gelöscht wurden, bestimmte Fragen und Probleme auf.

Außer der Tatsache, dass die Bedeutung und das Interesse der Funde kaum ermessen werden konnte, waren diese so zahlreich, dass sie die vorher in den gleichen Gebieten durchgeführten oder begonnenen Forschungsarbeiten beeinträchtigen konnten. Ein weiteres wiederkehrendes und wenig einladendes Problem war die Anwesenheit von großen Mengen noch sprengfähiger Munition, die die archäologischen Arbeiten beeinträchtigte. Zudem warf die leider regelmäßige Entdeckung von Leichen von bei den Kämpfen vermisster Soldaten weitere Fragen auf, die meistens von persönlicherer Art waren. Auf den ersten Blick schien diese neue Kategorie eher „störend“ als interessant, mit dem Risiko, dass diese sterblichen Überreste in die historische Vergessenheit gerieten, aus denen die archäologischen Sondierungen des Geländes mehr oder weniger unfreiwillig gerettet hatten. Erforderte die Erforschung dieser Epoche, die uns so nahe ist, und für die wir bereits über immense Archive verfügen, tatsächlich das Eingreifen der Archäologen ?

Fast zwei Jahrzehnte zur Festlegung der Grundsätze der Forschung

Das Handwerk des Archäologen erfordert eine instinktive Neugier, ungeachtet der Herkunft und des Alters der entdeckten Überreste. Einige Archäologen, für die die Debatte über das Interesse einer Archäologie des Ersten Weltkrieges nicht so schnell abgeschlossen werden konnte, setzten sich also mit den Funden auseinander, die zuerst als störend empfunden worden waren. Fast zwei Jahrzehnte waren erforderlich, um den Untersuchungen Gestalt zu geben und die Grundsätze der Forschung in diesem so besonderen Bereich der Archäologie festzulegen. Seither wurden zwei Schwerpunkte der Forschung identifiziert, die wertvolle Informationen liefern, und weitere Untersuchungen werden zweifelsohne neue Wege der Forschung aufzeigen.

Rekonstruktion des Bildes eines vergänglichen Erbes

Zur Abbildung dieser vergangenen Epoche und ihrer Menschen ist die Untersuchung des täglichen Lebens, und auch des Sterbens (das in diesem Fall auch als „täglich“ bezeichnet werden kann) der kämpfenden Truppe am besten geeignet. Zudem kann man durch die Untersuchung von Soldatengräbern besser verstehen, wie mit dem massenhaften Sterben umgegangen wurde. Dadurch werden manchmal bemerkenswerte Nachweise, von beim Begräbnis erwiesener Ehre, Achtung und Kameradschaft zu Tage gefördert. Diese Informationen sind umso kostbarer, da die „Rituale“ und Praktiken der Begräbnisse in den schriftlichen Aufzeichnungen aus dieser Epoche nur wenig erwähnt werden. Das Gleiche gilt für die kleinen Details des täglichen Lebens in den Schützengräben und Unterständen (Versorgung, Unterbringung etc.), die in jener Zeit kein besonderes Thema einer Literatur waren, die sich eher auf die Beschreibung der Ereignisse beschränkte, die in direktem Zusammenhang mit dem Konflikt standen.

Die Ausgrabungen, die im Rahmen der programmierten Archäologie seit einigen Jahren in den Lagern der Etappe im Hinterland der Front durchgeführt werden, helfen dabei, die erwähnten Lücken zu schließen. Die detaillierte Untersuchung der Inhalte der Abfallgruben ermöglicht die genaue Wiedergabe der Lebensbedingungen der Frontkämpfer bei der Erholung in der Etappe. In einem größeren Maßstab, wenn auch nur in einigen wenigen, von dichtem Waldbewuchs geschützten Gegenden möglich, kann mittels präziser topographischer Luftaufnahmen per Laserscanner (Lidar) die komplexe logistische Organisation eines Frontabschnittes und seines Hinterlandes rekonstruiert werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen die Vergänglichkeit eines Erbes, das zwar noch nicht sehr alt ist, aber von der Zeit und von den menschlichen Aktivitäten weitgehend ausgelöscht wurde.

Jetzt, kurz vor den Gedenkveranstaltungen zum 100. Jahrestag, ist die Archäologie des Ersten Weltkrieges zu einem eigenen Archäologiezweig geworden. Auch wenn es bisher vernachlässigt wurde, müssen wir den flüchtigen, fast schon ausgelöschten Spuren der Hölle, durch die alle Soldaten des Ersten Weltkrieges gehen mussten, ein Minimum an Aufmerksamkeit widmen, und sei es einfach aus Achtung vor dem Opfer, das sie gebracht haben.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen:
Desfossés 2008 : DESFOSSES (Y.), JACQUES (A.) et PRILAUX (G.) – L’archéologie de la Grande Guerre. Collection Histoire. Editions Ouest-France, 2008. 127 S. (Die Archäologie des Ersten Weltkrieges)